19. Juli 2009, Tag 5 - Der Höhepunkt

19. Juli 2009, Tag 5 - Der Höhepunkt

  

Der Sonntag begann zunächst nicht sehr verheißungsvoll. Über Nacht hatte es begonnen zu regnen und so sollte das Starterfeld nicht wie erwartet in umgekehrter Reihenfolge auf die Strecke gehen, sondern die schnellsten zuerst. Für den Nachmittag waren noch stärkere Regenfälle gemeldet und so entschied sich die Event-Control zu dieser etwas anderen Maßnahme.

Durch diese Verschiebung des Startzeitpunkts unseres Wagens von erwarteten 15:00 Uhr auf ca. 10:30 Uhr blieb nicht mehr viel Zeit für die letzten Überprüfungen am Fahrzeug. Zudem regnete es unentwegt weiter, was einige weitergehende Einstellungen, besonders am Fahrwerk, mit sich brachte.

So war es dann 10:00 Uhr - 4 Std früher als eingeplant - als der eac06 letztmalig die Box verließ, um seine größte Feuerprobe zu bestreiten, die Endurance. Dies ist ein 22km-Langstreckenrennen, bei dem sich drei bis fünf Teams gleichzeitig auf der Strecke befinden. In der Mitte des Rennens ist ein Fahrerwechsel vorgeschrieben. Während dieses dreiminütigen Fahrerwechsels wird das Fahrzeug von Fachleuten begutachtet, ob keinerlei Flüssigkeiten austreten oder gar Teile des Wagens drohen verloren zu gehen. Dieses Langstreckenrennen bedeutet eine besondere Belastung für jedes der startenden Fahrzeuge und ist damit die Königsdisziplin eines jeden Formula Student Wettbewerbes.

 

Die Warteschlange war nicht sehr lang und die ersten Teams drehten bereits ihre Runden als der eac06 seine Position einnahm. Gegen 10:55 Uhr ging es dann los. Unser Fahrer steuerte den Wagen erstmals um den Parcours. Die Rundenzeiten lagen im Bereich der Topteams und ließen ein hervorragendes Resultat erwarten. Der Regen hielt weiter an und machte es unserem Fahrer nicht leicht den Wagen so schnell wie am Vortag über die Strecke zu bewegen. Doch schon vor Beginn der Endurance erklärte er das Wetter zu seinem Vorteil.

Nach 12 Runden und ca. 15 gefahrenen Minuten stand der Fahrerwechsel an. Der eac06 wurde heraus gewunken und kam in der Wechselzone zum stehen. Gleich machten sich der erste Fahrer und sein Ersatzmann daran das Fahrzeug auf die zweite Etappe vorzubereiten, der Sitz wurde hierfür gewechselt und schon saß unser zweiter Fahrer im Wagen. Die drei Minuten waren noch lange nicht zu Ende als aus der Wechselzone ein Funkspruch an die mitfiebernden Teammitglieder auf den Tribünen kam, dass das Anlassen des Motors Probleme bereitete. Und so kam es dann zu einem Zeichen der Marshalls. Nach 12 Runden und ca. fünf Minuten reiner Standzeit war das Rennen für uns beendet. Die erste Diagnose des aufgetreten Fehlers klang gleichermaßen banal wie niederschmetternd: die Batterie hatte nicht mehr ausreichend Spannung, um den Anlasser stark genug zu drehen damit der Motor erneut startet. Enttäuscht und mutlos schoben die Fahrer und die zwei anwesenden Helfer den Wagen aus der Wechselzone zurück in die Box, um der Fehlerquelle auf den Grund zu gehen.

Die Auswertung der Daten zeigte, dass unser Fahrer ein einwandfrei funktionierendes Gefährt hatte, nur die elektrischen Verbraucher im Wagen die Batterie zu sehr beansprucht hatten. Die Lichtmaschine konnte den Verbrauch nicht decken und so sank die Spannung unter die erforderliche Grenze. Spätere Vergleiche mit den Spitzenteams machten deutlich, welch hervorragende Fahrt unser Fahrer absolviert hatte, denn ohne den Ausfall wären wir nur zwei Sekunden langsamere Runden als das Siegerteam gefahren. Diese Tatsache wirkte zunächst sehr ernüchternd, gab aber gleich wieder Hoffnung auf das nächste Kräftemessen im August auf dem Hockenheimring.

Nach dem Ausscheiden verstreuten sich die Teammitglieder auf dem gesamten Eventgelände, um dort ihrer Enttäuschung Herr zu werden und das Geschehene zu begreifen. Einige sahen sich den Wettbewerb bis zur letzten Zielflagge an. Sie erlebten ein aufregendes und spannendes Rennen, geprägt durch Überholmanöver, Ausfällen und tolle Rundenzeiten. Besonders unsere befreundeten Teams aus Köln und Paderborn lieferten sich packende Duelle auf der Strecke und erreichten, auch zu unserer Freude, beide das Ziel, trotz immenser Probleme an den vorangegangenen Eventtagen.

Nach diesem halbwegs versöhnlichen Ende räumten wir unsere Box und verluden unseren Boliden. Nun stand ein Barbecue des Gastgebers auf dem Zeitplan, bevor es ab 20:00 Uhr mit der Verleihung der Preise und der Ehrung der Sieger losging.

Dadurch, dass wir den Skid-Pad- und den Acceleration-Wettbewerb nicht bestreiten konnten und die Endurance nicht beendet haben reichte es im Gesamtklassement nur für den 48. Platz von ca. 90 angetretenen Teams. Diese Platzierung spiegelt allerdings in keinster Weise die Leistung des Teams, geschweige denn die des eac06 wieder. Diese Platzierung ist ganz im Gegenteil eine weitere Motivation für die nächsten Wochen, um in Hockenheim das wahre Potential abzurufen und zu zeigen. Wir werden mit den Erfahrungen aus Silverstone nun weiterarbeiten, um Ihnen in drei Wochen erfreulichere Nachrichten  zukommen zu lassen.

Wir bedanken uns an dieser Stelle bei allen Sponsoren, unseren Partnern und weiteren Unterstützern, ohne die unsere Teilnahme an diesem Event sogar kurz vor dem Scheitern stand.

Wir bedanken uns außerdem bei allen Daheimgebliebenen für das Daumendrücken und bei allen fleißigen Lesern unseres Tagebuchs. Wir freuen uns auf ein baldiges Wiederlesen.

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